You&Me-isms ist ein eigenwilliges, künstlerisch-experimentelles Mediensystem im Zeitalter hochtechnisiert-industrieller Kommunikationsmaschinerien. Es ist als Medium technisches Mittel, Wissensspeicher und soziales Interaktionsmittel und besitzt einen sicht- und benutzbaren Zeichenvorrat.
Um eine Nachricht auf der YOU&ME-ISMS [PART1] – Matrix zu hinterlassen:
SMS an +49 170 66 84 691
oder @Youandme_isms in einem Twitter-Post erwähnen
Boris Petrovsky hat in der Installation einen etwa 50 quadratmeter großen, mehrschichtigen Teppich aus rund 420 Neon-Leuchtbuchstaben entworfen: Die interaktiv steuerbare Leuchtzeichen-Matrix. Über sms und twitter können User Botschaften mit bis zu 160 Zeichen in das System eingeben. In der Leuchtzeichen-Matrix wird die Botschaft dann lesbar durch das sequentielle Aufleuchten entsprechender Zeichen. Das System steuert das Erscheinen der Botschaften in stets wechselnden Wort-Zeichenwegen und changierend rhythmischen Abfolgen.
Von einem Beobachtungs-Hochstand aus können die User die Vorgänge in der Leuchtzeichen-Matrix, quasi auf den Sockel gestellt, beobachten.
Auf historische, analoge Technologien wie optische Telegrafen, Fernschreiber oder Anzeigemedien wie die Nixie-Röhre rekurrierend, ist die Installation mit ihrer Leuchtzeichen-Matrix eine Cyberpunk-Kommunikationsmaschine mit offensichtlichen Eigenheiten. Die Besucher sind aufgefordert, als User mit einer Botschaft mit dem System zu interagieren.
Die Erwartungen und Bedeutungszuweisungen der Besucher an ein Kunstwerk werden anhand des Systems auf sie selbst und in ihren Wahrnehmungs-, Begriffs- und Theorieapparat zurückgeworfen.Der Künstler ist Moderator, Administrator, Konstrukteur hinter und gleichzeitig Fallensteller im System.
You&Me-isms bindet die Besuchenden ein in jenen Prozess, der von der passiven ästhetischen Degustation des Kommunikations- und Mediensystems Kunst aus direkt auf die Positionen des radikalen Konstruktivismus hinzu führt: In diesem spezifischen Erfahrungsraum sind die Aktionen, die Aktivitäten der Besuchenden nicht nur integraler Teil dieses Prozesses, sondern sie sind conditio sine qua non.
Das Kernstück der Arbeit ist die Leuchtzeichen-Matrix, eine Art Anzeige-Medium mit 420 Neonbuchstaben und Neonzeichen aus der Lichtwerbung. In Aktion entsteht aus ihr heraus ein Feuerwerk aufleuchtender Zeichenketten, Lichtsignalen und Wortclustern, wobei wortsprachliche Botschaften in unterschiedlichen Zeichen- und Schrifttypografien, Farblichttönen, Lichtfarben mit Seh-und Wahrnehmungsphänomenen als forcierten Kommunikationsprozess aufeinander prallen.
Konzeptionell setzt sich You&Me-isms auseinander mit den konstituierenden, kommunikativen Bedingung dessen, was gemeinhin Wirklichkeit genannt wird und in unserer Kultur auf dichte Weise verknüpft ist mit dem visuell Wahrgenommenen.
Mit elektrischem Neonlicht (das exemplarisch die signalgebende Energie in Zeichenprozessen sichtbar erscheinen lässt) und einer Form als Zeichen in Glas (als materielles, geformtes Artefakt) vermittelt die Leuchtzeichen-Matrix das offene Bild eines vernetzten Gewirrs aus Linien und Formen, das durch wortsprachliche bzw. zeichenbezogene Interventionen durch die User oder den Administrator als Zeichenprozesse, als buchstäbliche Sinn- und Bedeutungszuschreibungen offensichtlich strukturiert wird.
Die Arbeit wirft mit den interaktiv für die User geöffneten Zu- und Einschreibungsschnittstellen das gleichermaßen flüssige wie fragile Verhältnis von Form, Inhalt, Interpretation und Projektion auf höchst visuell-sinnliche Art und Weise auf die Rezipienten zurück – als seine stets neu zu formulierende Wirklichkeit aus Zeichen und Begriffen, ohne die die “visuell verfasste Welt” augentäuscherisch-chimärenhafte Bilder des Lichtes bleiben – elektromagnetische Wellen, die sich im Äther verlaufen.
